125 Jahre Feuerwehr Burscheid


Stadtwappen BurscheidDie Menschen haben es schon früh verstanden, sich das Feuer nutzbar zu machen. Doch sie mussten viel lernen, um das Feuer unter Knotrolle zu halten. Immer wieder kam es dazu, dass es sich menschlicher Fesseln entledigte und es entstanden so Feuersbrünste, die ganze Ortschaften oder Städte vernichteten.

Ein geordnetes Feuerlöschwesen gab es noch nicht und man versuchte mit Eimerketten zu retten, was noch zu retten blieb. Meist beschränkte man sich hier nicht auf das Löschen des Feuers, sondern vielmehr auf den Schutz des noch nicht vom Feuer befallenen Gutes.
 
 

Durch eine Reihe von Feuerverhütungsvorschriften versuchte die damalige Obrigkeit den Ausbruch von Bränden einzudämmen. Leider war, bedingt durch die damalige Bauweise der Erfolg solcher Vorschriften nicht sehr groß. Durch Ostsstatuten und gesetzliche Vorschriften wurden Bürger verpflichtet, im Brandfalle Hilfe zu leisten.

Aus alten Überlieferungen geht hervor, dass auch in Burscheid schon vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr so etwas wie eine Gemeinde-Pflicht-Feuerwehr bestanden hat. In diesem Dokument ist die Rede von "Vorschriften über die Einrichtung des Feuerlöschwesens im Regierungsbezirk Düsseldorf vom 13. Juli 1871". Gleichzeitig ist auch hier schon die Rede von §§ der "Feuerlöschordnung der Stadtgemeinde Burscheid".

Es kann also davon ausgegangen werden, dass zu dieser frühen Zeit schon Bürger verpflichtet wurden, in sogenannten "Companien" Feuerlöschdienst zu leisten. Es ist auch bekannt, dass an Orten wie Sträßchen, Hürringhausen und Hamberg "Spritzenhäuschen" gestanden haben, so dass angenommen werden kann, dass hier auch schon eine sicher bescheidene Ausrüstung vorhanden war.

Fest steht, dass all diese Einrichtungen nicht zu den gewünschten Erfolgen führten und vor allem Dingen die Dienstverpflichtungen der Bürger nicht dazu angetan waren, eine wirksamen Feuerschutz zu gewährleisten.

Diese Umstände führten dazu, dass sich überall im Lande "Freiwillige Feuerwehren" bildeten, die die Dienstpflicht durch freiwilliges Anerbieten ihrer Kräfte ersetzen wollten. Oft waren es Turn- oder Schützenvereine, die in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu Gründern von "Freiwilligen Feuerwehren" wurden.

Man hatte eingesehen, dass eine wirksame Brandbekämpfung nur mit geeigneten Geräten und immer wieder geübten Handgriffen möglich war und dies nur auf der Basis der Freiwilligkeit auf Dauer Erfolg versprach.

Das vorgehen in Nachbarorten und ein großer Brand in Bökershammer, der das ganze Anwesen vernichtete, führte auch in Burscheid zur Gründung einer "Freiwilligen Feuerwehr". Am 1. August 1875 versammelten sich im Lokal Liesendahl in Kaltenherberg eine Anzahl von Bürgern und Beschlossen eine "Freiwillige Feuerwehr" zu gründen.

Die junge Wehr ging mit Eifer ihre Aufgabe an und übte jeden Sonntag. Die Stadt unterstützte die Wehr finanziell und rüstete sie schon bald mit Mützen und grauen Kitteln aus. Die Steiger erhielten Helme. Otto Martin war der 1. Chef, Ernst Peters Hauptmann und Josua Pieper Redant. Anstelle des nach Amerika ausgewanderten Ernst Peters tritt 1876 Karl Liesendahl als Hauptmann an. Am 30 November1878 kommt es aufgrund einiger kleiner Unfälle zur Bildung einer Unterstützungskasse für im Feuerwehrdienst verunfallter Kameraden.

Am 31. Mai 1879 wird Karl Forst Chef der Wehr.

Der Wunsch nach einem Steigerturm führt durch Verhandlungen mit den ortsansässigen Wirten dazu, dass am 16. Dezember 1883 beschlossen wird, das Vereinslokal in die Gaststätte August Bergfeld, Höhestrasse zu verlegen. Der Wirt verpflichtet sich einen Steigerturm zu errichten und zu unterhalten. Auf der Generalversammlung am 23 September 1883 ist der damalige Bürgermeister Pilgram anwesend. Es werden Satzungsfragen diskutiert und beschlossen. Neben dem bisherigen "Kommando" wird ein Vorstand gewählt.

Der bekannte Gottlieb Grell wird 1 Vorsitzender. Wenige Tage vor dem 10-jährigen Stiftungsfest brannten das Vereinslokal und der Steigerturm ab. Hierdurch kam es zur Verlegung des Standortes zum Lokal Funke im Ortskern.

Der Jahresausflug 1886 führte nach Bensberg. Hier bot sich die Gelegenheit zu einer "ernsten Übung", als dort gegen Mittag ein Wohnhaus brannte. Bensberger und Burscheider Feuerwehrleuten gelang es, wie der Bergisch- Gladbacher Anzeiger berichtete, das Feuer auf verhältnismäßige kleinen Raum zu beschränken.

Das in dieser Festschrift abgedruckte Dokument "Verzeichnis des Vorstandes, der Führer und deren Stellvertreter der Gemeinde Feuerwehr Burscheid" beweist, dass 1887 die Freiwillige Feuerwehr Burscheid als 1. Companie in die Gemeinde- Feuerwehr eingegliedert ist und das weitere sieben Companien über das Gemeindegebiet verteilt sind, die aber als Pflichtfeuerwehr praktisch keine Bedeutung mehr haben. Gleichzeitig zeigt dieses Dokument, dass Gottlieb Grell inzwischen zum 1. Hauptmann aufgestiegen ist. 1893 wird die erste Vereinsfahne geweiht. Mit den Vorbereitungen zur Jubelfeier der ersten 25 Jahre der Wehr wird die Jahrhundertwende erreicht.

Das neue Jahrhundert bringt einen grundsätzlichen Wandel im Feuerlöschwesen. Zuerst aber sei nicht vergessen, dass es im ersten Jahr des neuen Jahrhunderts zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr im Ortsteil Hilgen kommt. Am 17 Oktober 1902 wird durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung das Gemeindegebiet in zwei Löschbezirke eingeteilt, wobei die Freiwillige Feuerwehr Hilgen ihren Schulbezirk und die Ortsteile Kleinösinghausen und Benninghausen zugeteilt bekam. Durch Reorganisation des preußischen Feuerlöschwesens wurden 1909 die Wehren aus Burscheid vereinigt. Beide Wehren bildeten in dem neuen Gebilde je einen Löschzug ab. 1904 zog der Löschzug Burscheid in das Lokal "Zur alten Post" um. Am 2. August 1908 wurde der neue Steigerturm an der Turnhalle eingeweiht. 1913 wurde eine mechanische Leiter angeschafft.

Der dann folgende 1. Weltkrieg unterbrach den weitern Aufbau der Wehr und hinterließ bei der Mannschaft beider Züge manch schmerzlichen Verlust. Aber schon bald nach Beendigung des Krieges wurde durch den rührigen Wehrleiter Grell der Wiederaufbau der Wehr vorangetrieben.

Infolge der Weiträumigkeit des Gemeindegebietes wurde auf seine Initiative 1921 in Dierath der Löschzug 3 der Feuerwehr Burscheid und 1924 in Paffenlöh der Löschzug 4 gebildet und damit der Grundstein der heutigen Wehr gelegt.

So steht im Jubiläumsjahr eine relativ starke Wehr für den Brandschutz in Burscheid zur Verfügung. Oberster Leiter der Wehr ist Bürgermeister Schmidt, Oberbrandmeister ist Gottlieb Grell, sein Vertreter Richard Schneider. Insgesamt gehören beim 50-jährigen Bestehen der Wehr 170 Feuerwehrmänner dieser Wehr an und üben ihren Dienst in Steiger-, Spritzen- oder Sanitätsabteilung aus. Auch ein Tambourkorps gehört dazu. In den ersten 50 Jahren des Bestehens wurde die Wehr zu 350 Einsätzen gerufen und konnte sich hier bewähren.

Wie in allen Bereichen so auch in der Feuerwehr hält die Technik mit rasch sich wandelnden Veränderungen Einzug. Bereits 1925 wird der Löschzug 1 der Freiwilligen Feuerwehr mittels einer Klingelanlage alarmiert. Erste Motorspritzen mit einer Leistung von 400 l/min. wurden beschafft und Lkw- Besitzer verpflichtet, die Feuerwehr im Bedarfsfall zu transportieren.

Einschneidende Eingriffe in das Eigenleben der Freiwilligen Feuerwehren traten nach der politischen Veränderung 1933 ein.

Bereits 1934 wurden durch ein neues Gesetzt das Feuerlöschwesen völlig reorganisiert. Neben einigen negativen Auswirkungen wurde durch dieses Gesetzt erstmalig der "Einheits-Feuerwehrmann", der alles können musste herausgearbeitet und es erfolgte damit die Auflösung der Spezialabteilungen (Steiger-, Spritzen und Sanitätsabteilung).

Neben der Aufteilung der Löschgruppen in Gruppen der heutigen Prägung in Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp wurde endlich eine längst notwendige Normung der Geräte mit dem Gesetz erreicht.

Im Jahre 1939 wurde der Ausbau der Feuerwehr erneut durch einen Weltkrieg unterbrochen. Die Schlagkraft der Wehr, die mittlerweile in "Feuerlöschpolizei" umbenannt wurde, wurde 1940 mit dem ersten Löschgruppenfahrzeug LF 8 für den Zug Burscheid und kurze Zeit später auch für den Zug Dierath verbessert. Gleichzeitig wurden aber durch den Krieg viele Wehrmänner zum Wehrdienst einberufen. Diese Lücken wurden durch Dienstverpflichtete und Jugendliche gefüllt. Die Wehr wurde bei immer größer werdenden Einsätzen im Rahmen der Fernhilfe nach Bombenangriffen in die benachbarten Großstädte gerufen. Neben Köln und Düsseldorf wurde nach Aachen, Krefeld, Wuppertal, Solingen, Remscheid und Leverkusen gefahren. Mit dem Näherrücken der Front wurden auch Einsätze in der Heimatstadt notwendig. Ob bei der Firma Goetze oder in Hilgen, in Straßerhof oder Großbruch, die Wehr versuchte zu helfen, wo zu helfen war und dies bis zum Einmarsch der amerikanischen Truppen am 16. April 1945.

Die Wehr wurde bis 1944 von Hugo Wescher aus Kuckenberg geführt. Sein Vertreter war Ewald Adams aus Paffenlöh. Nach dem Tod von Hugo Wescher übernahm Willi Dünweg als Hauptbrandmeister die Wehrführung.

Das von der Besatzungsmacht gegen die Deutschen, besonders gegen die Uniformierten entgegengebrachte Misstrauen, aber auch die Ablehnung der Bevölkerung gegenüber Uniformen und Disziplin gestalteten den Wiederaufbau der Wehr äußerst schwierig. Die Einsicht, dass bei Not und Gefahren geholfen werden musste, hat schließlich doch viele veranlasst weiterzumachen. Der durch die englischen Besatzer verursachte Brand der Schützenburg beeinflusste den notwendigen Wiederaufbau ganz entscheidend. In dieser Zeit war es sehr schwierig, die Feuerwehr technisch in Betrieb zu halten. Treibstoff war rationiert, Ersatzteile gab es so gut wie keine.

Improvisation feierte in dieser Zeit wahre Triumphe.

Mit der Währungsreform 1948 wurden die ersten Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung erkennbar. Aber das 75 jährige Bestehen der Wehr musste noch unter relativ bescheidenen Verhältnissen gefeiert werden. Es wurde auch immer noch improvisiert und in allen Löschzügen aus alten PKW ausgemusterten Krankenwagen Zugkraftwagen für Tragkraftspritzenanhänger gebaut.

Bei der Schauübung aus Anlass des 75jähigen Bestehens war jedoch schon erkennbar, dass die Wehr wieder hoffnungsvoll in die Zukunft sehn konnte.

In der Folge der Jahre wurde die Feuerwehr durch den wirtschaftlichen Aufschwung und rasche Technisierung gezwungen, sich den gegebenen Umständen immer wieder anzupassen. Die Zunahme des Verkehrs, die Gefahren in Gewerbe und Industrie durch Kunststoffe, chemische und wassergefährdende Stoffe, lassen die Feuerwehr zum "Mädchen für Alles" werden.

1955 wird das erste Tanklöschfahrzeug beschafft. 1959 wurde das Gerätehaus in Dierath gebaut und bereits 1963 waren alle Züge der Feuerwehr mit mindestens einem Löschfahrzeug motorisiert. Damit war der sehnliche Wunsch von Hauptbrandmeister Willi Dünweg in Erfüllung gegangen. Der Deutsche Feuerwehrverband verlieh Hauptbrandmeister Dünweg das Feuerwehrkreuz 2 Stufe für seine Verdienste um den Feuerschutz. Der Rat der Stadt bedankte sich für Dünwegs Leistung mit der Verleihung des Ehrenringes der Stadt.

Wirtschaftlicher Aufschwung und Gewerbefreiheit bescherten der Feuerwehr dann aber auch einen schweren Schlag. Auf Betreiben eines privaten Unternehmers wurde der Krankentransport aus den Händen der Feuerwehr in die Hände eines Taxiunternehmers gegeben. Daraufhin wurde der Notruf der Feuerwehr dank des Entgegenkommens der Götzewerke zu deren Pförtner 1 gelegt, von wo aus bis vor einigen Jahren der 1. Alarm ausgelöst wurde.

Langsam wuchsen auch bei der Feuerwehr Burscheid junge Männer in Führungspositionen hinein, schnell erkennend, dass die Ausrüstung und insbesondere die Ausbildung den neuen Verhältnissen angepasst werden mussten. Unter Hauptbrandmeister Knipper wurden 1963 ein LF 16 mit Seilwinde und die ersten, heute bescheiden anmutenden Hilfeleistungsgeräte angeschafft. Es folgte ein TRO- TLF 16. 1965 wurde eine alte Schulzahnklinik in Eigenarbeit zu einem Gerätewagen umgebaut.

Der Löschzug 2 erhielt 1971 ein neues Gerätehaus. Nachrichtentechnisch wurde die gesamte Einrichtung modernisiert. Die Züge 2,3 und 4 konnten danach von der Zentrale der Wache 1 über Funk-Sirenenauslösung alarmiert werden. Alle Fahrzeuge wurden mir Funkgeräten ausgerüstet und waren damit in der Lage, sowohl mit anderen Fahrzeugen, als auch mit der Zentrale anderer Feuerwehren des Kreises und der Polizei direkt zu kommunizieren.

Aber nicht nur in Burscheid wurde Ausbildung aktiviert. Auch auf Kreisebene hatte man hier starkes Nachholbedürfnis. So fanden im Gerätehaus Burscheid von 1966 bis 1974 elf Oberfeuerwehrmann- Lehrgänge statt. Scherzhaft sprach man von der Feuerwehrschule Burscheid. Von den damals sechs Kreisausbildern kamen zwei aus Burscheid- Hauptbrandmeister Knipper und Oberbrandmeister Machill.

Später gesellte sich noch der Leiter der Goetze- Werksfeuerwehr, Oberbrandmeister Schäfer zu dem illustren Kreis. Den Kreisausbildern der erste Stunde wurde 1971 für ihre hervorragenden Leistungen das Feuerwehrkreuz 2. Stufe verliehen. Mehr als die Hälfte der Burscheider Wehrleute haben diese Lehrgänge besucht. Fast immer stellte die Feuerwehr Burscheid den 1. oder 2. Lehrgangsbesten.

Ein weiterer Schwerpunkt war in dieser Zeit die Nachwuchsförderung.

In Burscheid wurde die erste Jugendfeuerwehr des Kreises 1959, lange vor der späteren Förderung durch den Deutschen Feuerwehrverband, ins Leben gerufen. 1972 wurde der damalige Jugendwart Manfred Kotthaus zum Kreisjugendwart. Nicht vergessen sei aber hier der eigentliche Begründer der Jugendfeuerwehr, Rolf Jelinski, der mit einigen Jugendlichen die ersten Schritte in die richtige Richtung ging und auch später mit viel Engagement sein Werk weiterführte. Von ihm stammt auch der Großteil der Ausrüstungsgegenstände der heute in der Wache 1 befindlichen Ausstellung, die er in mühseliger und oft auch kostspieliger Kleinarbeit zusammentrug.

Ebenfalls im Jahre 1972 wurde der Leiter der Feuerwehr Burscheid, Kamerad Knipper zum Kreisbrandmeister befördert. Die Leitung der Wehr übernahm Oberbrandmeister Heinz Machill. Nach langwierigen Verhandlungen erhielt noch auf Betreiben von Hauptbrandmeister Knipper die Löschgruppe 4 ihren lang ersehntes und dringend benötigtes neues Gerätehaus. Auf ausdrückliches Betreiben und mit viel Herzbluten wurde mit finanzieller Unterstützung des Kreises durch Kameraden Machill in den Kellerräumen des Gerätehauses des LZ 2 eine Atemschutzübungsstrecke eingerichtet, auf der noch heute die Kreislehrgänge abgehalten werden. Durch immer höhere Mobilität auch der Feuerwehrleute und der arbeitsfreie Samstag ließen Mängel in der Verfügbarkeit der Mannschaft, besonders an "langen Wochenenden" erkennen. Wehrleiter Machill erkannte die Notwendigkeit zum Handeln und setzte alles daran, den bestehenden Zustand zu verändern.

Nachdem 1974 für den Löschzug 3 ein TLF 8 und für die Löschgruppe 4 ein LF 8 beschafft wurden, wurde im Juni 1974 nach zum Teil heftigen Diskussionen eine Sonn- und Feiertagsbereitschaft eingerichtet. Kammerrad Machill erreichte bei der Stadtverwaltung die Zahlung eines Bereitschaftsgeldes.

Nach der Auflösung des Rhein- Wupper Kreises übernahm die Wehr Ende 1974 den kreiseigenen RW 2, der bis dahin in Opladen stationiert war. Hiermit ging die damalige Wehrleitung davon aus, dass das Fahrzeugkonzept rund und damit abgeschlossen sei und in Zukunft nur noch Ersatz beschafft werden musste.

Sprach man in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen noch von ca. 350 Einsätzen in den ersten 50 Jahren des Bestehens der Wehr, waren es in den Jahren 1950 bis 1975 ca. 2000 Einsätze, die von der Wehr abgearbeitet werden mussten.

1983 übernahm Hauptbrandmeister Kotthaus die Wehr in einem hervorragenden Zustand was Ausstattung und Ausbildung betraf. Sein Vorgänger Heinz Machill ging mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand. Sicher ein schwieriges Unterfangen für einen Mann, für den die Feuerwehr Burscheid über lange Jahre der Hauptlebensinhalt war. Er wurde aufgrund seiner hervorragende Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Aber auch eine Wehr in sehr gutem Zustand muss sich weiterentwickeln.

Gerade im Bezug auf Nachrichtentechnik , Geräteausstattung und weitere Verbesserungen der Ausbildung, bzw. Ausrichtung der Ausbildung auf neue Aufgaben der Feuerwehr war eine ständige Entwicklung und Anpassung an die Anforderungen notwendig.

Sicher ein großer Schritt in diese Richtung war der Bau einer neuen Feuerwache für den Löschzug 1. Bisher wurde das Gerätehaus an der Bismarkstraße genutzt. Mittlerweile war jedoch hier ein Zustand erreicht, der nicht mehr tragbar war. Die notwendigen Geräte ließen sich nicht mehr unterbringen, das Dach war undicht und die generellen Vorraussetzungen waren unhaltbar.

Es ging sogar so weit, dass der damalige Wehrleiter Heinz Maachill die Beschaffung einer Drehleiter ablehnen musste, weil absolut keine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden waren. Wehrleiter Machill erreichte die Zustimmung des Rates und der Verwaltung zum Neubau eines Gerätehauses. Mit seinem Stellvertreter Manfred Kotthaus, der als gelernter Architekt die besten Vorraussetzungen mitbrachte, wurde eine neue Unterkunft für den Löschzug 1 geplant. Im Jahre 1983 war Grundsteinlegung. Gut überlegt wurde die neue Wache an der Bürgermeister- Schmidt- Straße gebaut. Da tagsüber viele Feuerwehrleute bei den Goetzewerken beschäftigt waren, baute man das Gerätehaus in unmittelbare Nähe der Goetzewerke, um so eine schnellere Einsatzbereitschaft zu erreichen.

Waren in der Vergangenheit immer ein oder mehrere Feuerwehrleute von den Goetzewerken zur Bismarkstrasse gelaufen, hatten die Fahrzeuge geholt und dann die Mannschaft am Pförtner 1 der Goetzewerke aufgenommen, war jetzt jeder Feuerwehrmann in der Lage das Feuerwehrhaus auf kurzem Wege zu Fuß zu erreichen. In der Anfangsphase soll es Mitglieder der Feuerwehr gegeben haben die noch schneller sein wollten und im Einsatzfalle den direkten Weg durch ein Fenster genommen haben.

Aber wir sind erst bei der Grundsteinlegung. Im Folgejahr wurde die neue Wache in Betrieb genommen und es war auf Anhieb erkennbar, dass die verantwortliche Wehrleitung nicht nur ein Gebäude errichtet hatte, sondern ein bis ins Detail durchdachtes, geplantes und umgesetztes funktionierendes Ganzes. Ohne viel Schnörkel, dafür aber für Einsatz und Ausbildung optimal. Gleich mit der neuen Wache wurde auch ein neues Fahrzeug beschafft. Das in die Jahre gekommene LF 16 wurde durch ein neues ersetzt.

Das neue Gebäude wurde auch mit neuer Nachrichtentechnik bestückt. Es war jetzt eine Alarmzentrale vorhanden, die den Anforderungen der damaligen Zeit entsprach. Von zwei Arbeitsstellen konnte gefunkt, telefoniert und abgewickelt werden. Das ganze wurde auf Aufzeichnungsgeräten dokumentiert und so war man in der Lage, Einsätze sauber zu führen, aber auch im Nachhinein den Ablauf des ganzen nachzuvollziehen. Bei einer Alarmierung der Wehr wurden die Türen der Wache automatisch geöffnet und so ein unverzügliches Betreten gewährleistet. Neben der Technik wurden Räume geschaffen, die ein vernünftiges Arbeiten möglich machten.Neben einem großen Schulungsraum, der alle Feuerwehrangehörigen aufnehmen kann, wurde ein Jugendraum, 2 Bereitschaftsräume, Büros für die Wehrleitung und Zugführung, diverse Lagerräume und eine Atemschutzwerkstatt erschaffen.

Der Notruf der Feuerwehr wurde weiterhin bei den Goetzewerken angenommen und diese führte eine Erstalarmierung aus. Direkt danach wurde die Alarmzentrale der Feuerwehr besetzt und die gesamte Einsatzabwicklung von hier aus durchgeführt. All diese Maßnahmen führten dazu, dass, gerade in der heutigen Zeit, wo viele Feuerwehren unter Personalmangel leiden, unsere jungen Feuerwehrkameraden oft belächelt wurden, wenn sie behaupteten , dass in Burscheid jederzeit, ob bei Tag oder Nacht, das erste Fahrzeug "vollbesetzt" nach ca. 1 Minute die Wache Richtung Einsatzstelle verlässt. Eine Ausrückzeit, die für viele Feuerwehren - auch Berufsfeuerwehren - utopisch ist, in Burscheid jedoch gängige Realität. All dies ist natürlich nur möglich, wenn die vorhandene Technik zum einen auf dem neuesten Stand gehalten wird, zum zweiten der Umgang mit der Technik ständig geübt wird. Gott sei Dank waren und sind wir in Burscheid immer so gestellt, dass Rat und Verwaltung den Anforderungen der Feuerwehr positiv gegenüberstehen. So konnte kontinuierlich die technische Ausstattung den Erfordernissen angepasst werden.

Begünstigt wurde diese Entwicklungen sicher durch die Zuteilung der Bundesautobahn als Einsatzgebiet für die Feuerwehr Burscheid. Der Regierungspräsident hat die BAB 1 zwischen Leverkusen und Wermelskirchen zum Einsatzgebiet der Feuerwehr Burscheid erklärt. Hierdurch erhalten wir bei der Bezuschussung höhere Landesmittel. Bei der Jahreshauptversammlung der Wehr 1988, die im Februar 1989 stattfand, legte der damalige Wehrleiter Manfred Kotthaus überraschend aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Da mit dieser Entwicklung keiner gerechnet hatte, musste erst einmal ein Nachfolger gefunden werden. War dies früher einfacher, gestaltet sich heute die Suche nach geeigneten Führungskräften doch manchmal schwierig. Man muss sich darüber bewusst sein, dass heute die Führungskraft einer Wehr einen Zeitaufwand von wöchentlich 15- 20 Stunden für diese Aufgabe leisten muss. Dieser Zeitaufwand neben dem Beruf ist sicher nicht unerheblich und geht zu Lasten des Privatlebens. Auch das Berufsleben wird durch die Übernahme einer solchen Aufgabe beeinflusst, da Termine während der normalen Arbeitszeit wahrzunehmen sind. Also muss auch der jeweilige Arbeitgeber mitspielen. Es ist also schon eine starke Beeinflussung der Lebensabläufe, wenn jemand eine solche Führungsposition übernehmen kann und will.

Ende 1989 hatte die Feuerwehr Burscheid einige Kandidaten gefunden, die bereit waren, das Amt des Wehrleiters zu Übernehmen. Bein einer Anhörung der Wehr im Herbst 1989 entschied sich die Wehr für Jürgen Müller als Wehrleiter. Sein Stellvertreter wurde Hans Werner Dünweg.

Die Fahrzeugbeschaffung und die Schaffung der technischen Ausstattung nahm einen immer größeren Raum ein. Durch die Veränderungen in den Aufgaben der Feuerwehr wurde der Anspruch an die technische Ausstattung der Wehr immer umfangreicher. Um den anfallenden Aufgaben gerecht werden zu können, wurde von der neuen Wehrleitung ein Konzept entwickelt und im Laufe der Jahre auch umgesetzt.

Der 1974 vom Rhein- Wupper- Kreis übernommene RW 2 wurde 1989 durch einen neuen RW 2 ersetzt. Mit diesem Fahrzeug und seiner Ausstattung ist die technische Hilfeleistung in fast allen denkbaren Fällen möglich. 1993 wurde das TRO-TLF 16 durch ein TLF 16 ersetzt. 1996 wurde das TLF 8 des Löschzuges 3 durch ein LF 8/6 ersetzt, das neben einem Wasservorrat auch einen kompletten Rettungssatz zum Einsatz bei Verkehrsunfällen enthält. Bereits 1997 wurde das TLF 8 des Löschzuges 2 durch ein TLF 16 ersetzt. Zwischenzeitlich wurde im Rahmen einer landesweiten Beschaffungsmaßnahme 1992 ein Gerätewagen- Gefahrgut für die Feuerwehr Burscheid beschafft. Im Jahre 1998 folgte ein SW 2000, ein Schlauchwagen mit 2000m B- Schlauch, die in Buchten auf dem Fahrzeug gelagert sind und während der Fahrt abgelegt werden können. Ebenfalls 1998 wurde das altersschwache LF8 der Löschgruppe 4 durch ein neues LF 8/6 ersetzt. Die beiden letztgenannten Fahrzeuge wurden jeweils in Allrad- Ausführung beschafft. Mit diesen Beschaffungsmaßnahmen war das grundlegende Konzept der Wehrleitung erst einmal umgesetzt. Die Ausstattung für Sondereinsätze und Einsätze auf der Autobahn sind im Löschzug 1 vorhanden. Bei Bedarf kann ein zweites Löschfahrzeug vom Löschzug 2 auf der Autobahn unterstützen. Sollte auch das noch nicht ausreichen, sind wir mit den beiden geländegängigen Fahrzeugen LF 8/6 Paffenlöh und dem SW 2000 auch in der Lage eine Wasserversorgung auf die Autobahn zu verlegen. Wenn die technische Ausstattung des Löschzug 1 auf der Autobahn gebunden ist, ist der Löschzug 3 in der Lage, Einsätze dieser Art im Stadtgebiet abzuwickeln. Mit dem LF 8/6 aus Paffenlöh ist diese Einheit in der Lage, eigenständig Brandeinsätze im Wohngebiet Ösinghausen abzuwickeln. Der Topographie unserer Heimatstadt wurde darüber hinaus mit den beiden Allrad- Fahrzeugen Rechnung getragen. Diese sind bestens in der Lage auch unwegsames Gelände oder Waldgebiete zu befahren.

Was in dem gesamten Konzept noch fehlte aber seit Jahren von der Feuerwehr aufgrund baulichen Situation gefordert wurde, war eine Drehleiter. Diese konnte endlich, und wer die Presse verfolgt hat weiß wie schwer der Weg war, im Jubiläumsjahr an die Feuerwehr übergeben werden.

Im Vorgesagten wurde für die ersten 50 Jahre des Bestehens der Wehr Einssatzzahlen von 350 Einsätzen für den Zeitraum 1950 bis 1975 ca. 2000 Einsätze notiert. In den letzten Jahren fährt die Feuerwehr Burscheid als Freiwillige Feuerwehr ca. 170 Einsätze jährlich. Dies würde auf den Zeitraum der letzten 25 Jahre eine Zahl von deutlich über 4000 Einsätze ergeben.

Durch eine Gesetzesänderung durfte der Notruf 112 der Feuerwehren vor einigen Jahren nicht mehr bei den Goetzewerken bestehen bleiben und wurde bei der Rettungsleitstelle in Berg.- Gladbach aufgeschaltet. Eine Maßnahme, die von der Feuerwehr Burscheid kritisch betrachtet und nicht unbedingt begrüßt wurde. Leider gab es keine Handhabe, etwas dagegen zu unternehmen. Mag die Verlegung des Notrufes für den Rettungsdienst positive Effekte gehabt haben, für die Feuerwehr ergeben sich nachweislich deutlich längere Alarmierungszeiten. Da aber gerade die ersten Minuten bei der Entstehung eines Brandes für dessen Entwicklung entscheidend sind, ist die derzeitige Lösung für die Feuerwehr Burscheid und die Bürger nicht ideal. Auch vor diesem Hintergrund ist eine Überarbeitung der mittlerweile fast 20 Jahre alten Technik der Einsatzzentrale geplant und soll noch im Jubiläumsjahr umgesetzt werden.

Vor dem Hintergrund, dass das Ehrenamt zur Zeit nicht gerade im Trend liegt, Arbeitgeber es immer weniger begrüßen und aus technischen Gründen auch immer weniger akzeptieren können, wenn Feuerwehrleute bei Alarm ihren Arbeitsplatz verlassen, sind wir froh, in Burscheid noch eine funktionierende und stets einsatzbereite Freiwillige Feuerwehr darstellen zu können. Wenn auch Rat und Verwaltung bei der einen oder anderen Beschaffungsmaßnahme über die Kosten stöhnen sollte man nicht vergessen, hauptamtliche Kräfte würden ein vielfaches dieser Kosten verursachen.

Wir wollen auf diesem Wege ganz besonders unseren Feuerwehrangehörigen und nicht weniger deren Familien, die doch häufig unter der Aufgabe ihrer Männer und Frauen leiden müssen, für ihren stets uneigennützigen Einsatz danken. Wir danken auch Rat und Verwaltung für ihr stets offenes Ohr, das sie der Feuerwehr darbieten und für die Unterstützung , die oft über das Normale hinausgeht.

Die Bürger unserer Heimatstadt bitten wir, den Einsatz ihrer Feuerwehrleute entsprechend zu würdigen, denn er ist keinesfalls selbstverständlich. Unseren Feuerwehrleuten wünschen wir einen weiterhin gesundes Heimkommen von jedem Einsatz. Wir werden alles daransetzten, die Ausrüstung und die Ausbildung unserer Feuerwehrleute auf einen Stand zu halten, der jederzeit deren Anforderungen genügt und unsere Feuerwehrleute in den Stand versetzten, die anfallenden Einsätze auch möglichst gefahrlos abzuwickeln. Wir sind davon überzeugt, das jeder Bürger unserer Heimatstadt sich auf seine Feuerwehr verlassen kann und wir auch in Zukunft jedem in Not geratenen helfen, gemäß unserem Wahlspruch

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!